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GRIPPE, HUSTEN, HALS-NASE-OHRPROBLEME

neuere, überarbeitete Version vom 4.09 als pdf

1 - Definition und Verlauf

Pschyrembel: "Grippe, lateinisch Influenza, wird hervorgerufen durch Influenza-Viren, welche die oberflächlichen Schleimhautschichten befallen und diese nach einer sym-ptomlosen Zeit von einigen Stunden bis 4 Tagen zerstören können. Dies kann den Weg für eine bakterielle Infektion bereiten. Mögliche Symptome sind
Plötzliches Krankheitsgefühl mit Schmerzen
• Frösteln, hohes Fieber
• Rachenbeschwerden, Heiserkeit, trockener Husten
• selten Erbrechen, Durchfall

Nach 4-8 Tagen ist die Grippe vorbei. Der Mensch bleibt resistent gegen genau diesen Virus. Weil aber der Virus sich dauernd verändert und es verschiedene Grippeviren gibt, kann man immer wieder an Grippe erkranken. Mit zunehmendem Alter (schlechterer Immunabwehr) verläuft die Erkrankung schwerer.

Die schulmedizinische Therapie ist vorwiegend symptomatisch, d.h. schmerzstillend und fiebersenkend." Erst ab dem 6. Lebensmonat ist das Immunsystem in der Lage, auf äussere Erreger zu reagieren mit dem 3-Tage-Fieber). Im ersten Lebenshalbjahr ist Fieber ein Alarmzeichen. Der Fieberkrampf tritt fast nur in der ansteigenden Fieberphase zwischen 38-39 Grad C auf, wird durch eine Überhitzung im Gehirn hervorgerufen und kommt fast nur bei Kindern unter 5 Jahren vor. Er ist harmlos, solange der Krampf nicht länger als fünf und die anschliessende Benommenheit nicht länger als dreissig Minuten dauern. Er löst kein chronisches Krampfleiden aus, kann aber Indikator für ein grösseres Problem (z.B. drohende Epilepsie) oder vererbte Belastung sein und kommt heute immer häufiger vor (Folge von Immunschäden durch fiebersenkende Mittel und Impfungen?).

2 - Bedeutung der Symptome

Die Grippesymptome sind Symptome der Immunabwehr beim Kontakt mit einem Influenza-Virus. Fieber: Um die Körpertemperatur um 1 Grad zu steigern, braucht der Körper ca. 17% mehr Energie. Im Lauf der Evolution haben alle Warmblüter die Möglichkeit entwickelt, Fieber zu erzeugen: offensichtlich sind die Vorteile dieses aufwendigen Abwehrmechanismus grösser als seine eventuellen Nachteile. Die auf den Menschen spezialisierten Mikroorganismen vermehren sich am besten bei 37 Grad C. Bei Temperaturen ab 38,5 Grad werden sie geschwächt und zerstört. Zudem laufen bei höheren Temperaturen die Abwehrreaktionen schneller ab. Der Körper erhöht deshalb durch Muskelbewegung (Schüttelfrost) gezielt seine Körpertemperatur: Fieber von 40 Grad ist Ausdruck eines reaktionsfähigen Immunsystems (z.B. bei Kindern); ein schlechtes Zeichen ist hingegen, wenn jemand trotz Krankheitsgefühl kein Fieber machen kann. Dann kann ein Ueberwärmungsbad sinnvoll sein. Gliederschmerzen und Müdigkeit zwingen den Patienten zur Ruhe. Das ist sinnvoll, da der Mensch die Energie ja zur Temperaturerhöhung und Abwehr benötigt. Appetitlosigkeit führt zum Stoppen der Verdauung, da diese viel Energie und starke Ich-Kräfte benötigt. Wenn der Erreger bezwungen ist und der Körper die hohe Temperatur nicht mehr benötigt, kühlt er sich durch Schwitzen wieder ab. Dann setzt meist auch der Durst ein.

Bei Unterdrückung von akuten Abwehrreaktionen werden Mikroorganismen nur mangelhaft bekämpft; das Immunsystem wird geschwächt und es können chronische Krankheiten entstehen (Auffälligerweise hatten Krebspatienten in ihrer Vorgeschichte selten Fieber). Schmerzmittel wirken auch fiebersenkend und sollen deshalb bei Fieber nicht eingesetzt werden. Auch Wadenwickel sollten nur bei Temperaturen über 40 Grad eingesetzt werden. Codeinhaltige Hustenmittel blockieren den Hustenreiz, verhindern aber auch das Abhusten von Sekreten. Schnupfentropfen und -kapseln stellen den Nasenfluss ab, können aber zur Verstopfung der Nebenhöhlen führen.

3 - Unterstützung der Abwehr

richtige Umgebung schaffen
Alle Energie soll auf die Infektabwehr gelenkt werden: Starke Sinneseindrücke sollten vermieden werden (gedämpftes Licht, akustische Ruhe, keine starken Aromen, sondern frische Luft im Zimmer). Bei Schüttelfrost soll der Körper von aussen mit Wärme unterstützt werden (Bettflasche, bei Durst warmer Kräutertee). Zuneigung geben: das Gefühl des Geborgen-seins ist sehr wichtig für die Entwicklung des kindlichen Selbstbewusstseins. Die Bedürfnisse des Patienten respektieren. Ein Kind kann sich trotz Fieber wohl fühlen und nicht im Bett bleiben wollen. Nach dem Abklingen des Fiebers ist ein ganzer symptomloser Erholungstag nötig, bevor man zur gewohnten Arbeit zurückkehrt.

Essen und Trinken

Appetitlosigkeit macht Sinn: Essen und Getränke sollen nur gegeben werden, wenn der Patient danach verlangt.

Gekochte Gemüse z.B. Rüeblisuppe und Früchte sind leichter verdau-ich als rohe. Süßigkeiten sind bei Halsentzündung zu meiden (dienen Bakterien als Nahrung; Honig hingegen hat antibiotische Eigen-schaften). Bei Entzündungen sollen keine Milchprodukte eingenommen werden (bilden Schleim). Durst löschen mit kalten oder warmen Getränken: Vit-C-haltige Säfte (Holunder, Sanddorn), Hagebuttentee, Zitronensaft; nach starkem Schwitzen eher salzig (Bouillon). Anregung der Ausscheidung: Birkenblätter- und Zinnkrauttee regen die Nierentätigkeit an.

unspezifische Anregung der Abwehr
• Echinacea (Echinaforce®, Echinacin®)
• Hefelysat (Biostrath®)
• Entenleberextrakt potenziert (Occilloc C15)
• Vitamin-C (Säfte, Hagebuttentee)
• feuchte Hautabreibungen mit Salzwasser

spezifische Unterstützung
Die in Klammer erwähnten Komplexmittel sind als Notlösung gedacht, wenn kein Therapeut erreichbar ist und kein homöopathisches Einzelmittel gefunden werden kann.

• Fieber:
Bei ersten Anzeichen von Kranksein: warmes Fussbad.
Fieber über 40 Grad C (aber nicht bei Frost oder kalten Füßen): Zwiebelfusswickel über Nacht, Fusswickel mit 1 EL Essig oder 1/2 Zitrone od. 1 EL Weleda Arnica Essenz pro 1/2 Liter Wasser.
Lindenblüten-, Bitterklee- (Menyanthes) und Holundertee sind schweisstreibend und fiebersenkend.

• Fieberkrampf:
Prophylaxe und Behandlung mit homöopathischen Potenzen: Belladonna bei hohem Fieber mit Delirium, Cuprum metallicum beim Krampf, Helleborus niger bei Benommenheit nach einem Krampf.

• Gliederschmerzen:
Abreiben mit verdünnter Arnica-Tinktur, Rosmarin

• Gereiztheit, Unruhe:
Kamillentee

• Halsweh:
Myrrhe, Salbei, Kamille, Nelke und Knoblauch desinfizieren; Rathanha gerbt die Schleimhaut; Usnea-Flechte ist reizmildernd bei Heiserkeit.
Lutschen von Melbrosept®, Salvisept®, Usneasan®,
Gurgeln mit Dentaforce®, Paradontax®
kalter Lehm-, Magerquark- oder Zwiebelwickel wirken entzündungshemmend.

• stockender Schnupfen, Stirn- und Nebenhöhlenkatarrh:
Nasenspülung mit 0,9%-igem warmem Salzwasser, Inhalation von Thymeantee, warme Leinsamenkompressen, Fussbad mit 1 (-2) Löffel Senfmehl, Sinupret“ (Sinfrontal“)

• Laufschnupfen:
Zwiebel als Wickel oder gehackt neben Bett

• Mittelohrentzündung:
Plötzlich nach Kälte mit heissem Kopf: Belladonna
Ganz zu Beginn ohne klare Symptome: Ferr-phos (>Kälte, <frühmorgens) oder Levisticum (D4, stündlich 10 gtts bis Besserung).
Nasenspülen mit Kochsalzlösung und Thymeaninhalation zum Abschwellen.
Warmer Kartoffel-, Leinsamen-, Bockshornklee- oder Zwiebelwickel, Senfwickel hinter Ohr und auf Nacken, Knoblauch ins Ohr, Kohlblätter hinter Ohr.
Tinktur: Echinacea 30g, Salix 20g, Camomilla 20g, Populus 20g, Bursa pastoris 10g

• verhockter Husten:
Eibisch (Althaea), Bibernell (Pimpinella), Brechwurz (Ipecacuanha), Spitzwegerich (Plantago), Huflattich (Tussilago far-fara) als Tee oder Tropfen
Weleda Hustenelixier®, Usneasan®-Tropfen,
(Catarsan®-tabletten)

• Reizhusten:
Thymean, Efeu (Hedera), Sonnen-tau (Drosera), Pestwurz (Petasites, krampflösend), Spitzwegerich als Tee mit Zitrone, Honig und Zwiebel, oder als Tropfen.
Usneasan®-Lutschtabletten,
(Pertudoron®, Thydroka®)

• Heiserkeit:
Salbei-, Bibernell-, Eibischtee, Emsersalz,
Salvisept®, Salbeipastillen Wala®

• Verstopfung:
Glycerinzäpfchen oder Einlauf mit Kamillentee

• Durchfall:
Rüebli püriert mit wenig Salz als Suppe, zum Trinken eine Lösung von 1 KL Kochsalz und 9 KL Zucker auf 1 Liter Wasser

• Bauchweh:
Warme Bauchwickel mit Schafgarbe (Tee/Tinktur)

Die homöopathische Behandlung der Grippe mit potenzierten Mitteln ist nur bei mangelhafter Abwehr sinnvoll. Die Auswahl des passenden homöopathischen Mittels gemäss den individuellen Symptomen des Kranken erfordert eine genaue Beobachtung und minimale Fachkenntnisse (z.B. Homöopathiebuch von Urs Schrag). Auch potenzierte homöopathische Mittel können nämlich Schaden anrichten, wenn sie falsch eingesetzt werden. Deshalb sollten von Laien ausgewählte Arzneimittel generell nur kurzzeitig eingesetzt werden. Falls bei einer grundsätzlichen Schwäche ein Problem immer wieder auftaucht (z.B. häufiges Halsweh, Schnupfen, Anginen), sollte ein professioneller Therapeut konsultiert werden. Informationen über die Prinzipien der Homöopathie finden Sie in meiner sechsseitigen Homöopathieschrift.

4 - Literatur

Maja Thüler: Wohltuende Wickel
Ursula Uhlemayer: Wickel & Co
Urs Schrag: Homöopathische Selbstbehandlung im Alltag: AT-Verlag ca. 30.- Fr.
Gerhard Köhler: Lehrbuch der Homöopathie, Klett-Verlag, Band 2: Praxis, ca. 115.-
Vogels Gesundheitsratgeber und Gesundheitsnachrichten
Zeitschriften "Natürlich" und Weleda Nachrichten


Bern, rev. Mai 2000

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